Google killt die Maus, Disney lässt Spider-Man fliegen
Gemini ersetzt das Pointer-Interface; Medicare bezahlt KI-Agenten direkt; SAP steigt bei n8n ein
Drei Konzerne, drei Wetten: SAP steigt bei n8n ein, Medicare öffnet einen Tarif für autonome Health-Agents, Google rückt das Sprachmodell an die Stelle, an der seit den 70er Jahren der Mauszeiger saß. Daneben schickt Disney einen autonom fliegenden Spider-Man-Roboter in 25 Meter Höhe.
n8n-Bewertung verdoppelt sich auf 5,2 Milliarden, SAP steigt ein
Das Berliner Open-Source-Automation-Startup n8n verdoppelt seine Bewertung binnen Monaten auf 5,2 Milliarden Dollar. Strategischer Investor: SAP. Was nach Erfolgsgeschichte klingt, ist auch ein Eingeständnis. Der Walldorfer Konzern, jahrzehntelang Symbol für schwerfällige Enterprise-Software, kauft sich bei einem Startup ein, das in zwei Jahren mehr Workflow-Innovation geliefert hat als SAP in zwei Jahrzehnten. Die alte Welt hat verstanden, dass sie das Rennen um KI-Agenten und Automation nicht aus eigener Kraft gewinnt. Also kauft sie sich ein, zu jedem Preis.
Medicare bezahlt erstmals einen KI-Agenten direkt
Am 5. Juli 2026 startet CMS das ACCESS-Programm, ein zehnjähriges Bezahlmodell, das nicht für Arztzeit zahlt, sondern für medizinische Ergebnisse wie gesenkten Blutdruck oder reduzierte Schmerzwerte. 150 Organisationen sind in der ersten Kohorte, darunter KI-Arzt-Startups, virtuelle Therapieanbieter und Wearable-Hersteller wie Whoop. Indikationen: Diabetes, Hypertonie, chronische Nierenkrankheit, Adipositas, Depression, Angststörungen. Die Erstattungssätze sind bewusst niedrig angesetzt, sodass nur vollautomatisierte Patientenbetreuung wirtschaftlich überleben kann. Damit baut der größte staatliche Kostenträger der Welt zum ersten Mal eine offizielle Erlöslogik für autonome Health-Agents.
Quelle: TechCrunch
Altman sagt aus, Musk wollte OpenAI an seine Kinder vererben
Sam Altman sagt im Verfahren Musk v. Altman aus, dass Musk überlegt habe, die Kontrolle über OpenAI an seine eigenen Kinder zu vergeben. Altman bezeichnet die Idee öffentlich als hair-raising. Musks Anwälte attackieren im Gegenzug Altmans Finanznetzwerk und werfen ihm Täuschung vor. Altmans Linie bleibt klar: Musk wollte die Stiftung dominieren, stieg aus, klagte später. Die Dokumente im Verfahren stützen seine Version weitgehend. Das größere Bild: zwei Männer, die OpenAI als persönliche Bühne für die Zukunft der Menschheit verstehen.
Quelle: Wired
Google ersetzt den Mauszeiger nach 50 Jahren durch Gemini
DeepMind zeigt experimentelle Demos, in denen Gemini per Bewegung, Sprache und natürlicher Kurzschrift direkt auf dem Bildschirm dirigiert wird. Statt zu klicken und zu scrollen, sagt der Nutzer, was passieren soll, und das Modell führt es aus, über Apps und Inhalte hinweg. Der Pointer war seit den 70er Jahren das Interface zwischen Mensch und Computer. Eine ganze Generation Software wurde um seine Logik herum gebaut. Jetzt rückt das Sprachmodell selbst an die Stelle, an der vorher die Maus saß.
Gemini Intelligence macht Android in einem Tap zum Agenten
Google rollt auf der Android Show Gemini Intelligence aus, exklusiv für die neuesten Top-Geräte. Das System orchestriert Multi-Step-Tasks über mehrere Apps und Chrome hinweg, füllt Formulare in einem einzigen Tap aus, wandelt diktierte Gedanken via Rambler in polierten Text und baut Custom-Widgets on the fly. Der Sprung vom passiven Werkzeug zum aktiven Agenten passiert nicht in einer separaten App, sondern direkt im Betriebssystem.
Agency dreht den Spieß um und promptet den Nutzer
Statt dass der Mensch der KI sagt, was sie tun soll, beobachtet Agency seine Tools, findet sinnvolle Aufgaben, entwirft die Aktion und fragt per Telegram um Freigabe. Ein Klick, und der Agent verschickt die Antwort, dreht das Video, fixt den Bug, ordert das Essen, kündigt Abos oder reagiert auf den DataDog-Alarm. Der Hebel sitzt in der Architektur: App und Agent laufen auf derselben Maschine, der Agent darf sich also selbst editieren und anhand jeder Entscheidung weiterlernen. Tausende Integrationen über Gmail, Slack, Linear, DataDog. Claude Code und Codex sind als Engine andockbar.
Disney schickt einen autonomen Spider-Man-Roboter in 25 Meter Höhe
Die Imagineers haben eine Stunt-Figur gebaut, die 25 Meter über dem Avengers Campus fliegt und ihre Bewegungen in Echtzeit selbst kontrolliert. Der Roboter schlägt Saltos, bremst ab, klettert. Kein Operator gibt die Sequenz vor, Sensorik und Onboard-Compute entscheiden Lage, Drehmoment und Landung im Flug. Was als Themenpark-Effekt aussieht, ist ein Live-Test für autonome Aktuatorik unter realen Bedingungen: Wind, Publikum, Schwerkraft, kein zweiter Versuch. Dieselbe Klasse von Steuerung, die einen Spider-Man-Dummy zum Salto bringt, wandert als Nächstes in Logistik, Inspektion und Produktion.
MecAgent baut SolidWorks-Bauteile aus einem einzigen Satz
MecAgent zeigt ein auf CAD feingetuntes LLM, das aus einem natürlichsprachigen Prompt eine parametrische Kolbenbaugruppe direkt in SolidWorks generiert. Geometrie, Constraints, Feature-Tree, alles maschinell erzeugt, nicht geklickt. Was im Web-Stack natural language to code heißt, wird hier zu natural language to manufacturable part. Die Konsequenz für DACH-Mittelstand und Industrie: CAD-Arbeitsplätze werden zur Kuratierungs- und Validierungsrolle. Wer Konstruktion betreibt, sollte KI-CAD-Workflows als Produktivitätshebel testen, nicht als Spielerei abtun.
Claude zieht in Mini-Computer und Magic Wands ein
Anthropic hat auf der Code-with-Claude-Konferenz Teilnehmern winzige Bastel-Computer in die Hand gedrückt. Heraus kamen kleine, eigenwillige Devices, darunter ein Magic Wand, der per Schütteln zwischen Light- und Dark-Mode umschaltet. Alle mit Claude im Backend. Der eigentliche Move: Claude verlässt das Chat-Fenster und zieht in physische Objekte ein. Wenn die nächste Dev-Generation Hardware so beiläufig mit LLMs verdrahtet, sieht die Geräte-Landschaft 2027 anders aus als heute.
Chart des Tages: KI-nahe Berufe legen 17 Prozent Reallohn zu
Quelle: Bureau of Labor Statistics, Dallas Fed (Februar 2026)
Die Erzählung vom Job-Apokalypse durch KI bekommt einen empirischen Dämpfer. Seit dem ChatGPT-Launch im Herbst 2022 sind die Reallöhne im IT-Dienste-Sektor um 17 Prozent gestiegen. Die breite Gruppe der stark KI-exponierten Branchen kommt auf 10 Prozent. Der Gesamtmarkt liegt im selben Zeitraum bei 8 Prozent. Wo KI als Bedrohung galt, zahlt sie aktuell die höchsten Aufschläge. Knapp gewordene Kompetenz ist nicht das Ausführen von Routine, sondern das Orchestrieren von KI-Workflows.







