Die KI arbeitet jetzt tagelang von allein weiter
Codex arbeitet im Goal Mode autonom; ChatGPT zieht in PowerPoint ein; Bosch streicht 22.000 Stellen
OpenAIs Codex arbeitet im neuen Goal Mode tagelang autonom an einer Aufgabe, Harvey lässt KI-Agenten eingehende Verträge selbst redlinen. Gleichzeitig rückt KI direkt in PowerPoint, und Anthropic baut sein Europa-Geschäft weiter aus. Auf der anderen Seite der Bilanz streicht Bosch bis 2030 22.000 Stellen in Deutschland.
OpenAI Codex arbeitet im Goal Mode jetzt tagelang autonom
OpenAI schaltet mit dem Goal Mode eine neue Stufe der Agenten-Autonomie frei. Statt Schritt für Schritt instruiert zu werden, bekommt Codex nur noch ein Ziel vorgegeben und arbeitet den Rest eigenständig ab, über Stunden, teils über Tage hinweg. Verfügbar ist der Modus ab sofort in der Codex-App, der IDE-Erweiterung und im CLI. Damit verschiebt sich die Rolle des Systems: vom Werkzeug, das auf jeden einzelnen Befehl wartet, hin zum Agenten, der eine Aufgabe übernimmt und das Ergebnis abliefert.
Harvey lässt KI-Agenten eingehende Verträge selbst redlinen
Harvey hat Contract Intelligence gelauncht. KI-Agenten nehmen eingehende Verträge in erster Instanz auseinander, wenden die hauseigenen Playbooks an und schreiben die Redlines selbst. In Echtzeit zeigt das System, wie sich Klauseln und Verhandlungspositionen quer durch das Unternehmen entwickeln. Was tatsächlich juristische Beurteilung braucht, wird eskaliert, der Rest läuft ohne Anwalt durch. Damit ist die unterste Schicht der Rechtsarbeit, also Standardprüfung, Markup und Konsistenz über tausende Verträge, auf Knopfdruck verfügbar. Was bei Big Law jahrelang als Associate-Arbeit fakturiert wurde, kostet jetzt API-Calls.
Gemini for Science soll Forschern verborgene Verbindungen zeigen
Google stellt mit Gemini for Science ein ganzes Werkzeug-Paket für die Wissenschaft vor. Es bündelt Modelle und Experimente, die Forschung schneller und in größerem Maßstab ermöglichen sollen. Die Annahme dahinter: Es existiert längst mehr Wissen, als ein einzelner Mensch je verknüpfen kann. Genau diese Lücke soll das System schließen, indem es Daten über Fachgrenzen hinweg zusammenführt und Forschern Verbindungen vorschlägt, die sonst niemand sieht.
ChatGPT baut und überarbeitet Folien jetzt direkt in PowerPoint
OpenAI integriert ChatGPT direkt in Microsoft PowerPoint. Folien lassen sich künftig per Anweisung erstellen und überarbeiten, ohne Texte zwischen Browser und Präsentation hin und her zu kopieren. Der Assistent sitzt dort, wo die Arbeit ohnehin stattfindet, im Dokument selbst. Für alle, die regelmäßig Pitch-Decks, Quartalsberichte oder Schulungsunterlagen bauen, verschwindet damit der größte Reibungspunkt, der ständige Wechsel zwischen Chatfenster und Office. Die Richtung bleibt dieselbe wie bei vergleichbaren Integrationen: KI wandert aus dem getrennten Chatfenster heraus und direkt in die Werkzeuge, in denen Wissensarbeit täglich passiert.
Google Pomelli generiert komplette Marken-Websites in zwei Klicks
Google baut sein Marketing-Tool Pomelli zu einem agentischen System aus. Zuerst zieht das Tool die Geschäfts-DNA einer Firma aus vorhandenen Dateien und Bildern zusammen, dann generiert es daraus ein vollständiges Brand Book mit Farben, Typografie und Tonalität. Neu mit diesem Update ist der letzte Schritt: Aus derselben Marken-DNA entsteht in zwei Klicks eine fertige Landing-Page, die Google direkt hostet. Was bisher Agentur, Briefing und Wochen Vorlauf gebraucht hat, läuft jetzt als ein einziger Prompt-Durchlauf. Für kleine Unternehmen ohne eigene Design-Abteilung verschiebt sich damit die Grenze, ab der ein professioneller Markenauftritt überhaupt bezahlbar wird.
Claude Code schlüsselt den Token-Verbrauch pro Skill und Agent auf
Claude Code macht den Token-Verbrauch sichtbar. Wer mit KI-Agenten arbeitet, kennt das Problem: Am Monatsende steht eine Rechnung, aber niemand weiß, welcher Teil des Setups sie verursacht hat. Genau hier setzt der neue Befehl /usage an. Er schlüsselt auf, welche Skills, Agents, MCP-Server und Plugins wie viele Tokens ziehen. Aus einer Pauschalsumme wird damit eine Kostenstelle pro Komponente. Für Unternehmen, die KI-Tooling in den Arbeitsalltag holen, ist das die Grundlage, um teure Automationen zu erkennen und gezielt nachzuschärfen. Der Start läuft über das Terminal, die Desktop-App folgt direkt danach.
Anthropic eröffnet sein sechstes Europa-Büro in Mailand
Anthropic eröffnet ein Büro in Mailand und reiht es in eine wachsende Kette europäischer Standorte ein: London, Dublin, Zürich, Paris, München und jetzt Mailand. Europa ist die am schnellsten wachsende Region des Unternehmens, der Umsatz hat sich dort im Jahresvergleich verneunfacht. Mailand gilt als Zentrum der italienischen Tech-Szene. Der Schritt fällt in eine Phase, in der sich Anthropics Verhältnis zu den USA zunehmend abkühlt, während der Konzern seine Präsenz auf dem europäischen Markt systematisch ausbaut. Für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet das kürzere Wege, lokale Ansprechpartner und einen KI-Anbieter, der Europa nicht länger nur aus der Ferne bedient.
Bosch streicht bis 2030 22.000 Stellen in Deutschland
Bosch streicht bis 2030 allein in der Mobility-Sparte 22.000 Stellen in Deutschland, den Großteil davon in Baden-Württemberg. Das ist kein klassisches Sparprogramm, sondern ein struktureller Rückzug aus der eigenen Heimat, um global zu bestehen. Die Folgen treffen weit mehr als einen Konzern: In der Region Stuttgart hängen 240.000 Jobs am Automobil, bei den Zulieferern gelten weitere 90.000 bis 100.000 Stellenverluste als realistisch. Der Verbrenner-Kern stirbt schneller, als neue Jobs in Elektromobilität und Software nachwachsen, und diese entstehen oft nicht mehr am alten Standort. Damit bröckelt ein tragender Pfeiler des industriellen Mittelstands.
Deutschlands Investitionsgüter-Handel mit China kippt ins Minus
Jahrzehntelang folgte der Handel einem festen Muster: Deutschland verkaufte Maschinen, Anlagen und Werkzeuge nach China, China zahlte. 2014 lag der deutsche Überschuss bei Investitionsgütern bei rund 43 Milliarden Dollar, dem Höhepunkt der Ära Good German Engineering. Seitdem kippt die Kurve. 2024 rutschte die Bilanz erstmals ins Minus, 2026 steht sie bei etwa minus 20 Milliarden Dollar. China liefert heute mehr Maschinen nach Deutschland als umgekehrt. Das erklärt, warum Peking EU-Handelsbeschwerden gelassen sieht: Das industrielle Herz Europas ist beim eigenen Kernprodukt zum Nettoimporteur geworden.
Tesla Optimus läuft mit deutlich flüssigerem Gang
Teslas humanoider Roboter Optimus zeigt in einem neuen Clip einen deutlich flüssigeren Gang. Die Bewegung wirkt nicht mehr steif und maschinell, sondern locker und fast menschlich. Genau diese natürliche Motorik gilt als die Hürde, an der humanoide Robotik bisher immer wieder gescheitert ist. Und sie entscheidet darüber, ob solche Maschinen in Fabrik und Haushalt überhaupt akzeptiert werden, denn ein Roboter, der sich abgehackt bewegt, bleibt im Alltag ein Fremdkörper.
LeRobot stellt einen Open-Source-Humanoiden für 2.500 Dollar vor
Bisher kosteten laufende Humanoide sechsstellige Summen und kamen aus geschlossenen Laboren. LeRobot dreht das Verhältnis um. Der zweibeinige Roboter besteht überwiegend aus 3D-Druck-Teilen, und der komplette Stack liegt offen: Hardware, Laufzeitumgebung, Simulation, Trainingsumgebungen und die Steuerung in der echten Welt. Wer will, baut, repariert und trainiert die Maschine selbst, die Materialkosten liegen bei rund 2.500 Dollar. Das verschiebt Robotik vom Konzern-Privileg zur Bastler-Plattform, so wie der 3D-Drucker einst die Fertigung geöffnet hat. Die nächste Generation Robotik-Talente lernt dann nicht mehr an fertigen Demos, sondern an Hardware auf dem eigenen Schreibtisch.
Chinas autonome Friseur-Kioske scannen den Kopf in 3D
In chinesischen Städten tauchen autonome Friseur-Kioske auf. Die Maschine erfasst den Kopf in 3D, berechnet die Schnittlinie und führt die Klinge mit Millimeter-Präzision. Kein Termin, kein Personal, kein Trinkgeld, eine Sitzung kostet nur rund 60 Yen. Sichtbar wird hier, wie selbst das Handwerk am Körper, jahrtausendelang die Domäne ruhiger Menschenhände, zur kalkulierbaren Geometrie wird. Der Friseurstuhl verwandelt sich in ein Rechenproblem, und die Maschine löst es schneller als jeder Lehrling.
Chart des Tages: HBM-Speicher frisst 63 Prozent der KI-Chip-Kosten
Quelle: Epoch AI. Skala 40 bis 75 Prozent zur besseren Lesbarkeit der Bewegung.
In Q1 2024 ging noch die Hälfte der Kosten eines KI-Chips für Hochbandbreiten-Speicher drauf. Acht Quartale später sind es 63 Prozent, Logik, Packaging und alles drumherum müssen sich den Rest teilen. Der Grund ist banal und brutal zugleich: Jede neue Modellgeneration braucht mehr Speicherbandbreite pro Trainings-Schritt. Profiteure sind die HBM-Hersteller SK Hynix, Samsung und Micron. Für Unternehmen, die eigene KI-Hardware planen, heißt das: Der erste Engpass ist die Speicher-Supply, nicht die Logik. Der Hebel auf die Compute-Preise sitzt damit in Korea, nicht in Taiwan.
Tool-Empfehlung: Voicely
Voicely ist eine DSGVO-konforme Diktiersoftware mit KI-gestützter Spracherkennung, die in jeder App läuft. Wer viel schreibt, soll damit bis zu fünfmal schneller vorankommen, weil das gesprochene Wort das Tippen ersetzt. Ein nützlicher Werkzeugkasten-Eintrag für alle in der KI-Bubble, die ihren Schreiballtag nicht nur diskutieren, sondern tatsächlich beschleunigen wollen: voicely.de.










